Neben der westlichen Medizin ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) das zweite große Medizinsystem der Welt.
Sie besteht aus einem vielschichtigen System von Diagnose- und Behandlungsformen. Die Einheit von Körper, Geist und Seele ist eine zentrale philosophische Grundlage dieser Heilkunde.
Jeder Mensch bildet diese Einheit und ist mit dieser wiederum ein Teil einer größeren Einheit – seiner Familie, der er angehört … dem Land, in dem er geboren ist … dem Land, in dem er aktuell lebt, auch der Natur … dem Kontinent, auf dem er lebt … unserem Planeten …. dem Universum.
Alles ist mit allem verbunden, so die spirituelle Einsicht des Daoismus, der ein Leben im Einklang mit allem, was lebt, lehrt und in der TCM eine wesentliche Rolle hat.
Alles im Universum besteht aus Qi. Am ehesten lässt sich dieser Begriff „Qi“ für uns mit einer „alles erfüllenden Lebensenergie“ umschreiben.
Es ist gar nicht so einfach, die chinesische Bildersprache für uns westlich denkende Europäer zu übersetzen, da wir gewohnt sind, für alles eine klare Definition zu bekommen. Die gemalten Schriftzeichen der chinesischen Sprache jedoch, halten für den Betrachter, der ihnen kundig ist, noch viele weitere Informationen bereit.
Es gibt viele verschiedene Arten von Qi.
Die traditionelle Chinesische Medizin betrachtet den Körper des Menschen als Energiesystem, in dem verschiedene materielle und immaterielle Bestandteile zusammenwirken. Qi ist dabei die Quelle jeder körperlichen Aktivität. Qi hält die Körpertemperatur aufrecht, es schützt den Körper, wandelt Nahrung und Luft in lebenswichtige Stoffe um und bewahrt die Körpersubstanzen … und es ist noch so viel mehr.
Die gute Nachricht: durch einen ausgewogenen Lebensstil, einen strukturierten Tagesablauf, regelmäßige Mahlzeiten mit wertvollen Lebens!-mitteln, sowie ausgeglichenem Schlaf-Wachrhythmus kann jeder sein Qi stabilisieren.
Die Lehre von Yin und Yang ist ein grundlegendes Konzept, welches zum Verständnis der Chinesischen Medizin beiträgt.
Während es für uns ein klares entweder/ oder in der Betrachtung von Phänomenen gibt, erklärt Yin und Yang, dass jedes Ding, jeder Sachverhalt, alles gleichzeitig auch als sein Gegenteil betrachtet werden kann.
Dabei sind Yin und Yang nicht einfach nur Gegensätze, sondern lediglich die gegensätzliche Formulierung ein und derselben Sache.
Ein Beispiel:
Das chinesische Symbol für Yin bedeutet: „die schattige Seite des Berges“ und steht für Dunkelheit, also auch für Mond, Schatten, Kälte, Ruhe usw.
Das Symbol für Yang bedeutet: „die sonnige Seite des Berges“. Es steht für Licht und damit ebenso für Sonne, Helligkeit, Hitze, Aktivität usw.
Betrachten wir beispielsweise den Tag-/Nachtzyklus und beginnen im Morgengrauen, wenn die Dunkelheit (Yin) der Nacht langsam in die Helligkeit (Yang) des Tages übergeht. Die Vögel beginnen zu singen, die Welt wird langsam immer aktiver: der Tag ist Yang und Yang ist aktiv. Bis zum Mittag steigt die Sonne immer höher, das Licht breitet sich aus und dennoch ist im Schatten, den das Licht wirft, immer noch ein wenig Dunkelheit zu finden (Yin im Yang). Am Punkt des höchsten Standes der Sonne, wo das Yin im Yang ganz winzig ist, beginnt sich die Dunkelheit wieder auszubreiten, indem die Sonne sinkt und die Schatten länger werden. Fällt dann die Nacht über die Welt herein, wird es dunkel (Yin) und langsam immer stiller. Yin ist primär die Nacht, die Ruhe. Aber selbst in der dunkelsten Nacht ist noch ein klein wenig Licht vorhanden- etwas Yang im Yin. Es gibt also niemals nur dunkel, oder nur hell, stets ist das Gegenteil mit dabei.
In dem bekannten Symbol von Yin und Yang ist dies berücksichtigt. Wir können im hellen Teil (Yang) einen winzigen schwarzen Punkt für das Yin entdecken und im dunklen Teil (Yin) bleibt ein kleiner weißer Fleck (Yang). Ohne Nacht gibt es keinen Tag, ohne Tag gibt es keine Nacht lässt sich dieses Symbol auch deuten.
Überlegen Sie für sich selbst, was dies im Bezug zu unseren Symptomen, Unpässlichkeiten und Krankheiten bedeutet.
In der TCM definiert man Gesundheit als das Gleichgewicht von Yin und Yang.
Die TCM entwickelte sich in ihrer Geschichte beständig weiter. Das Denken in fünf Elementen (Feuer, Erde, Metall, Wasser, Holz) integrierte sich in das Yin-Yang-System. Das Modell der fünf Wandlungsphasen mit den dazugehörigen Zyklen gab die Struktur für das Zang- Fu- System.
Zang meint die „Vollorgane“ (Leber, Herz, Milz, Lunge, Niere), die dem Yin zugeordnet und mit der Herstellung, Speicherung und Regulierung der Grundsubstanzen befasst sind.
Fu sind als „Hohlorgane“ (Gallenblase, Dünndarm, Magen, Dickdarm, Blase) dem Yang zugeteilt und haben die Aufgabe, aktiv den Prozess der Veränderung und Bewegung aufrechtzuerhalten.
Und dies alles im harmonischen Zusammenspiel von Yin und Yang.
Der Energiefluss in unserem Körper ist ständig in Bewegung.
Fließt das Qi (Lebensenergie) zu stark oder zu schwach, wird es gestaut oder gar blockiert, kommt es zu Disharmonien, die sich dann in Krankheiten äußern.
Es sind die Meridiane, über die das Qi zirkuliert. Das Meridiansystem heißt im Chinesischen „Jing Luo“ und bedeutet soviel wie „Wege im Körper“ und „Netz“. Die Meridiane verbinden das Körperinnere mit der Körperoberfläche, dabei sind die 12 Hauptmeridiane je mit einem Yin-oder Yang-Organ verbunden.
Auf jedem Meridian liegen ganz spezifische Akupunkturpunkte.
Diese Punkte stimuliert der Akupunkteur vorsichtig mit den feinen Akupunkturnadeln, um den Fluss der Lebensenergie positiv zu beeinflussen.
Die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt im Anschluß an die Diagnose, die aus Befragung des Patienten, Gesichtsdiagnose, Puls- und Zungendiagnose besteht.
Der Puls ist eine Momentaufnahme, er zeigt dem TCM-Praktiker den Zustand des Körpers in dem Moment und gibt zunächst Aufschluß darüber, welches Organ jetzt am meisten Unterstützung benötigt. Für mich ist die Pulsdiagnose auch während der Akupunkturbehandlung sinnvoll, da sie mir sofort Rückmeldung über die Wirkung der gewählten Punktkombination bei meinem Patienten gibt.
Über die Meridiane ist die Zunge mit allen inneren Organen des Körpers verbunden. So kann man bei der Betrachtung den Zungenkörpers mit seiner Farbe und Form und des Zungenbelags feststellen, wie gut Qi, Blut und Flüssigkeiten im Körper zirkulieren. Ganz besonders der Zungenbelag zeigt uns den Zustand der Körpersäfte und deshalb ist es sehr wichtig, dass sie vor dem Untersuchungstermin ihre Zunge nicht extra reinigen.
Hier entsteht noch Text…
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© Marion Lucke